Elterngeld, Elternzeit und Co.

Elterngeld

Elterngeld, was ist das, wie funktioniert es und wer bekommt´s?

Endlich schwanger! Die Vorfreude ist riesengroß, die ersten Bodies, Strampler und der Kinderwagen werden gekauft und dann hört man bei all den Vorbereitungen so Begriffe wie Elterngeld, Elternzeit, Elterngeld plus, Mutterschaftsgeld und ist erst einmal heillos überfordert! Denn was ist überhaupt was? Und wann muss man was wo beantragen?

Hier ein kurzer Überblick:

Elterngeld und Elternzeit – Der Unterschied:
Das Elterngeld ist eine finanzielle Unterstützung vom Staat. Dieses Geld bekommen in der Regel beide Eltern, wenn sie nach der Geburt zu Hause bleiben, um sich ganz oder teilweise um das Kind zu kümmern. Elterngeld bekommen aber auch Hausfrauen, Studenten, oder Arbeitslose. Auch Selbstständige und Auszubildende erhalten den Zuschuss.

Das Thema Elternzeit betrifft dagegen nur angestellte Väter und Mütter, ganz egal ob sie Vollzeit, Teilzeit arbeiten oder gar einen befristeten Arbeitsvertrag haben. Während der Elternzeit darf dem Arbeitnehmer, nicht gekündigt werden. Elternzeit kann man bis zum Ende des dritten Lebensjahres des Kindes nehmen. Das ist gesetzlich geregelt. Und: dieser Anspruch kann in keinem Arbeitsvertrag ausgeschlossen werden.

Wie hoch ist das Elterngeld?
Der Mindestbetrag liegt bei 300 Euro pro Monat. Dieses Geld bekommt man aber nur, wenn man sein Kind selbst betreut und nebenbei nicht mehr als 30 Stunden arbeitet. Wer dagegen mit seinem Kind erst einmal komplett zu Hause bleibt, bekommt bis zu 67 Prozent seines Nettoeinkommens. Berechnet wird es aus dem durchschnittlich erzielten monatlichen Einkommen der letzten 12 Monate. Hierbei werden allerdings nicht Urlaubs,- oder Weihnachtsgeld mit eingerechnet. Und der Höchstsatz liegt bei 1800 Euro monatlich. Mehr Zuschuss bekommt niemand.

Wie lange wird das Elterngeld gezahlt?
Den Zuschuss erhält man maximal für die ersten14 Lebensmonate seines Kindes. Alleinerziehende bekommen 14 Monate Elterngeld. Bei Paaren sieht das etwas anders aus: Sie bekommen die staatliche Leistung nur dann für 14 Monate, wenn beide Elternteile Elternzeit nehmen. Das bedeutet: Nimmt z.B. nur die Mutter eine Auszeit vom Job, erhält sie auch nur 12 Monate Elterngeld. Und nur, wenn auch der Vater für mindestens zwei Monate Elternzeit nimmt, bekommt das Paar die Unterstützung für 14 Monate.

Das Elterngeld kann mit dem Elterngeld plus auch auf die doppelte Länge des Bezugszeitraums gedehnt werden. Die Summe über den Gesamtzeitraum bleibt jedoch gleich. Das bedeutet also, dass ein Elternteil über 24 Monate jeweils den halben Zuschuss beziehen kann. Auch die Partnermonate können bei halber Bezugshöhe über den doppelten Zeitraum ausgedehnt werden. Wie ein Paar die Elternzeitmonate unter sich aufteilt, bleibt ihm überlassen. Allerdings muss auch die Mutter in diesen 24 Monaten arbeiten gehen.

Wo muss das Elterngeld beantragt werden?
Für den Antrag müssen Eltern ein Formblatt ausfüllen und bei der zuständigen Elterngeldstelle einreichen. Der Antrag muss bei der Elterngeldstelle in schriftlicher Form gestellt werden (zbfs.bayern.de). In Bayern ist das ZBFS, das Zentrum Bayern Familie und Soziales hierfür zuständig.

Wann muss das Elterngeld beantragt werden?
Der Antrag muss nicht sofort am Tag der Geburt ausgefüllt werden, aber, es ist wichtig zu wissen, dass das Elterngeld nur rückwirkend für die letzten drei Monate geleistet wird und zwar ausgehend von dem Tag, an dem der Antrag bei der Elterngeldstelle eingegangen ist.Und: vor der Geburt kann man den Antrag nicht einreichen, da der Elterngeldantrag erst ab dem tatsächlichen Geburtstag des Kindes bearbeitet wird.

Wo und wann muss Elternzeit beantragt werden?
Elternzeit beantragen Vater und Mutter bei ihrem Arbeitgeber. Der Antrag muss dem Arbeitgeber spätestens sieben Wochen vor Beginn der Elternzeit vorliegen. Da sich die Mütter in den ersten acht Wochen nach der Geburt im Mutterschutz befinden, beginnt für sie die Elternzeit erst danach. Mütter müssen demnach ihren Antrag auf Elternzeit spätestens eine Woche nach der Geburt bei ihrem Arbeitgeber einreichen.
Die Mutterschutzregelung sieht vor, dass eine Mutter im Angestelltenverhältnis in den letzten sechs Wochen vor der Entbindung und in den acht Wochen nach der Geburt (bei Mehrlingsgeburten gelten längere Fristen) einem Beschäftigungsverbot unterliegt. Während dieser Zeit kann sie finanzielle Leistungen (Mutterschaftsgeld der Krankenkassen, Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld, Mutterschutzlohn) beanspruchen, die allerdings mit dem Elterngeld verrechnet werden. Das bedeutet: Man kann nicht Elterngeld und Mutterschaftsgeld gleichzeitig beziehen.
Wollen Väter dagegen unmittelbar nach der Geburt Elternzeit nehmen, müssen sie ihren Antrag sieben Wochen vor dem errechneten Geburtstermin einreichen.

Wie schaut er aus, der Antrag auf Elternzeit ?
Der Antrag besteht aus einem Briefkopf mit Absenderangaben, einer persönlichen Anrede sowie den Zeitraum mit genauem Datum, von wann bis wann man Elternzeit nehmen möchte. Wer ganz sicher gehen will, kann die Firma um eine schriftliche Empfangsbestätigung bitten. Der Arbeitgeber kann den Antrag auf Elternzeit übrigens nicht ablehnen: Der Arbeitnehmer hat darauf einen gesetzlichen Anspruch .

Wie lange darf ich Elternzeit nehmen?
Vater und Mutter können ihr Arbeitsverhältnis jeweils bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres des Kindes ruhen lassen. In dieser Zeit können sie nur in Ausnahmesituationen – etwa im Fall einer Insolvenz – gekündigt werden. Allerdings müssen sie schon bei der Beantragung der Elternzeit festlegen, wie sie die zwei Jahre nach Beginn der Elternzeit gestalten wollen: So müssen sie dem Arbeitgeber zum Beispiel sagen, ob sie zwei Jahre komplett pausieren wollen oder nur eines und dann etwa Teilzeit arbeiten möchten. Von dieser Festlegung können Arbeitnehmer später nur wieder abweichen, wenn der Arbeitgeber zustimmt. Deshalb sollte man sich vorab gut überlegen, was man beantragt. Nach dem Ablauf des zweiten Jahres können Eltern sich entscheiden, ob sie noch ein drittes Jahr Elternzeit nehmen wollen. Die Elternzeit darf in drei Abschnitte aufgeteilt werden. Bis zu 24 Monate können zwischen den dritten und achten Geburtstag des Kindes gelegt werden. Für den Antrag ist dann aber ein Vorlauf von 13 Wochen erforderlich.
Das Elterngeld allerdings wird nur für die ersten zwölf bis 14 Lebensmonate des Kindes beziehungsweise beim Elterngeld plus für bis zu 28 Monate bezahlt – unabhängig davon, ob die Elternzeit darüber hinaus andauert. Danach gibt es nur noch das Kindergeld.

Ich bin selbständig, bekomme ich auch Elterngeld?
Ja, auch Selbstständige haben ein Anrecht auf Elterngeld. Allerdings ist die Antragstellung etwas aufwendiger als bei Angestellten. Normalerweise wird das Einkommen, das im Steuerbescheid des Vorjahres als Berechnungsbasis dient, auch für die Berechnung des Elterngeldes zugrunde gelegt. Liegt dies allerdings noch nicht vor, kann das Einkommen durch andere Unterlagen wie etwa den Steuerbescheid des vorangegangenen Jahres, den Vorauszahlungsbescheid, eine vorhandene Einnahmen-Überschuss-Rechnung oder Bilanz angegeben werden. Pflichtbeiträge zur Sozialversicherung werden ebenso wie bei Nichtselbstständigen vom Gewinn abgezogen.
Auch für Selbstständige gilt: Wer Elterngeld bekommt, darf nach der bislang geltenden Regelung bis zu 30 Stunden in der Woche arbeiten – für Freischaffende ist das oft überlebenswichtig. Einnahmen werden allerdings auf das Elterngeld angerechnet.

Welche Unterlagen will die Elterngeldstelle sehen?
Der Anspruch auf Elterngeld beginnt mit dem Geburtstag des Kindes, demzufolge wird Elterngeld pro Lebensmonat des Kindes bezahlt, nicht pro Kalendermonat.
Der Staat zahlt das Geld rückwirkend bis zu drei Monate ab dem Zeitpunkt der Beantragung. Zahlungen von Mutterschaftsleistungen von Krankenkassen, Arbeitgebern, u.ä. werden auf das Elterngeld voll angerechnet. Erst wenn die Mutterschaftsleistungen abgegolten sind, kann Elterngeld ausbezahlt werden. Da die Leistungen während des Mutterschutzes Tag genau errechnet werden, kann es sein, dass im Überschneidungsmonat schon anteilig Elterngeld überwiesen wird.

Folgende Dokumente braucht man:

  • ausgefülltes Antragsformular
  • Geburtsbescheinigung des Kindes (mit Verwendungszweck „Elterngeld“ bzw. „für soziale Zwecke“)
  • Nachweise zum Erwerbseinkommen: Lohn- oder Gehaltsabrechnungen bei Nicht selbstständigen, bei Selbstständigen der Steuerbescheid für den letzten abgeschlossenen Veranlagungszeitraum (falls nicht vorhanden: Bilanz oder Einnahmen-Überschuss-Rechnung)
  • Arbeitszeitbestätigung des Arbeitgebers bei Teilzeitarbeit im Bezugszeitraum bzw. Erklärung über die Arbeitszeit bei selbstständiger Arbeit
  • Bescheinigung der Krankenkasse über das Mutterschaftsgeld
  • Bescheinigung über den Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld (vom Arbeitgeber)

Wie berechne ich mein Elterngeld?
Normalerweise bekommt man zwischen 65 und 67 Prozent des bisherigen Gehalts. Wer mehr als 1240 Euro netto im Monat verdient, bekommt 65 Prozent, wer bis zu 1220 Euro netto verdient, bekommt 66 Prozent und wer weniger als das verdient, bekommt 67 Prozent seines Lohns als Elterngeld.
Und für Geringverdiener, die weniger als 1000 Euro netto im Monat verdienen, erhöht sich der Prozentsatz. Eine Angestellte, die beispielsweise 500 Euro netto verdient, erhält statt der 67 Prozent 92 Prozent ihres Netto-Gehalts als Elterngeld, also 460 Euro.
Es gibt jedoch auch eine Maximalgrenze: Der Gesetzgeber berücksichtigt den über 2700 Euro hinausgehenden Nettoverdienst nicht. Damit liegt die Höchstsumme an monatlichem Elterngeld bei 1800 Euro.
Eltern, die bereits ein Kind unter drei Jahren haben bzw. zwei, die jünger als sechs Jahre alt sind, erhalten zehn Prozent mehr Elterngeld – mindestens aber 75 Euro mehr im Monat. Bei Mehrlingsgeburten, bekommen die Eltern pro Geschwisterkind 300 Euro mehr im Monat.
Übrigens, das Elterngeld ist nicht ganz steuerfrei. Das Geld gilt als Ersatzleistung des Staates und unterliegt dem Progressionsvorbehalt, wird also in der Einkommensteuerjahreserklärung zu dem versteuernden Einkommen hinzugerechnet – und hat damit einen Einfluss auf dem Steuersatz.

Einschränkung für Spitzenverdiener
Spitzenverdiener haben übrigens keinen Anspruch: Paare, die gemeinsam mehr als 500.000 Euro zu versteuerndes Einkommen haben, und Alleinerziehende, die mehr als eine Viertelmillion Euro zu versteuern haben, bekommen keinen Zuschuss.

Weitere Infos im Internet:

Zentrum Bayern Familie und Soziales

Artikel wurde verfasst von Barbara Rögner