Kinderwagen Test im Urlaub

Sonne, Sand und Kinderwagen

Meine Erfahrungen mit dem Bugaboo Runner und dem Babyjogger City Elite

Dank einer bestehenden Kooperation zwischen Laufmamalauf Nürnberg und dem Kinderladen Svenssons kamen wir in den besonderen Genuss zwei Kinderwagen des Premiumsegments ausgiebig auf Herz und Nieren zu testen. Zum einen war dies der Bugaboo Runner, zum anderen der City Elite der Marke Babyjogger. Bei beiden handelt es sich um Kinderwagen jenseits der 600,- €, also durchaus nicht unbedingt das Richtige für einen Spontankauf.

Der Bugaboo Runner

Bugaboo Runner

Eins vorab – der Bugaboo Runner ist nichts für unkommunikative Menschen. Ich wurde mehrfach auf den Wagen angesprochen und nach meiner Meinung gefragt. Meistens von Müttern, die bereits einen Kinderwagen der Marke Bugaboo besitzen und die Joggerversion endlich mal live sehen konnten.

Bei den Kinderwägen von Bugaboo handelt es sich um ein Modulsystem, das markenintern einfach gewechselt werden kann. Die Basis des Runner ist ein dreirädriges Fahrwerk, auf das der bereits vorhandene Sitz einfach aufgesteckt wird. Positiv fand ich hierbei, dass die Fahrtrichtung frei wählbar ist, das Kind kann also auch gegen die Fahrtrichtung fahren, was mir für unsere leicht überreizbare Tochter aktuell noch lieber ist. Der Bugaboo Sportsitz ist in drei Positionen verstellbar, wobei unser Favorit halbliegend war. Der Sicherheitsbügel wurde dabei sofort zu einer 1a Fußstütze umfunktioniert. Der 5 Punkt Gurt ist ausgesprochen einfach und selbsterklärend zu verwenden; die Entfesslungskünstlerin hat es nicht geschafft sich rauszuwinden. Allerdings hab ich mir einmal die Haut am Finger eingeklemmt. Das wäre vielleicht in den USA ein Grund für eine Klage, hierzulande gilt es wohl eher als Ungeschick. Das erweiterbare Sonnendach des Bugaboo kann auch einseitig vor- und zurückgeklappt werden und bietet ein Maximum an Sonnenschutz. Allein schon dieses Dach ist ein unbedingtes Kaufargument. Beim Probejoggen überzeugt der Bugaboo durch seine Laufruhe und Spurtreue, er ist in keinster Weise störend. Der Handbremsbügel über die komplette Griffbreite und die Handgelenksschlaufe zur Sicherung gegen Wegrollen bringen zusätzliche Lauffreude, da auf eventuell abschüssiges Gelände zügig reagiert werden kann und ein unkontrolliertes Beschleunigen oder Wegrollen des Wagens nahezu ausgeschlossen ist. Auf unwegsamem Gelände wie Feldwegen und im Wald, aber auch auf Kopfsteinpflaster, ist die Federung des Bugaboo Runner ungeschlagen. Unterschiedliche Bodenbeläge können ohne das Lauftempo zu verändern problemlos passiert werden. Die kleine Madame hat alles einfach verschlafen. Auch Sandboden stellt für den Runner kein großes Problem dar, die großen Räder bahnen sich ihren Weg ohne stecken zu bleiben.

Negativ fiel mir auf, dass der Wagen aufgrund der doch respekteinflößenden Größe, insbesondere dem vorstehenden einzelnen und nicht schwenkbaren Vorderrad, teilweise schwierig zu manövrieren ist. Klar ist das auch Gewöhnungssache, ich habe es jedoch bis zum Ende unseres Testzeitraumes nicht geschafft mich daran zu gewöhnen und bin immer wieder mit dem Vorderrad irgendwo angestoßen. Gerade kleinere Supermärkte mit engen Gängen haben eine gewisse Herausforderung dargestellt. Sollte man in die Verlegenheit kommen den Wagen im Auto zu transportieren, zeigt sich ein großes Manko. Der Wagen hat zusammengeklappt beachtliche Maße und ist ziemlich sperrig. Der Kofferraum unseres Skoda Superb Kombi ist definitv nicht klein, war aber mit dem zerlegten Wagen fast komplett voll.

Der Babyjogger City Elite

Babyjogger City Elite

Hier zeigen sich die großen Stärken des Babyjogger City Elite. Der Wagen lässt sich mit nur einem Handgriff auf ein kompaktes Maß zusammenlegen und auch im Kofferraum eines Kleinwagens unterbringen. Die drei Räder des Babyjogger sind deutlich kleiner als die des Bugaboo, das vordere Rad ist schwenkbar, kann aber mit einem Handgriff festgestellt werden. Für unsere Bedürfnisse nicht ganz vorteilhaft war es, dass die Fahrtrichtung beim Babyjogger nicht geändert werden kann, das Kind fährt also immer in Blickrichtung. Die Rückenlehne ist jedoch stufenlos und bis zur Liegeposition verstellbar. Als praxisuntauglich empfand ich die zwar ausgesprochen geräumige, aber schwer zugängliche Taschenablage unter dem Sitz. So schön der Wagen im Supermarkt zu manövrieren ist, so schlecht bringt man die Einkauftasche unter. Verschiedene Bodenbeläge stellten für den Babyjogger kaum ein Problem dar, lediglich bei tiefem und sehr weichem Sand erwiesen sich die kleineren Räder als Manko und er blieb stecken. Also Kind raus, Wagen rauszerren. Das Gurtsystem des Babyjogger ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. So lange alles richtig zusammengesteckt ist lässt sich der Gurt ratzfatz anlegen und lösen. Hierfür muss als Vorbereitung ein Kunstoffteil durch ein anderes gesteckt werden. Rutscht dieses raus steht man erst mal ein wenig verwirrt davor. Hat man das Ganze jedoch einmal zusammengepuzzelt, stellt auch das keine Hürde mehr dar.

Wer seinen Kinderwagen nicht im Auto transportieren möchte oder muss, und möglicherweise am Stadtrand oder ländlich wohnt, für den ist der Bugaboo Runner meiner Meinung nach eine hervorragende Wahl. Im Großstadtdschungel war ich vom Handling her mit dem Babyjogger glücklicher. Könnte man beim Babyjogger die Fahrtrichtung ändern, wäre er für mich klarer Favorit. So bin ich hin und her gerissen zwischen zwei fantastischen und gut durchdachten Kinderwägen, die beide ihre Stärken und Schwächen haben.

Vielen Dank an Eileen von Laufmamalauf und den Kinderladen Svenssons für die Chance diese beiden Wägen zu nutzen. Ihr habt uns den Urlaub an der Ostsee deutlich angenehmer gemacht. Unser Standardkinderwagen wäre schon deutlich eher an unwegsamem Gelände gescheitert.

Lisa Freydenberger, Oktober 2016

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