Mein Weg zur Wunschgeburt

Heute gibt es einen ganz besonderen Beitrag auf dem Knirpse-Blog: Stefanie Dentler ist Mama, Stillberaterin und Kursleiterin bei uns im Knirpse & Co und berichtet von der Geburt ihres zweiten Kindes. Jede Geburt ist ein ziemlich eindrückliches und individuelles Erlebnis – umso schöner, dass Steffi es mit uns teilt – danke dafür!

Mein Weg zur Wunschgeburt

Wunschgeburt

Zwischen meiner ersten und zweiten Geburt liegen über neun Jahre. Und dies ganz bewusst. Ich war von der Geburt meiner ersten Tochter leicht traumatisiert, da diese leider völlig anders als gewünscht verlief und in einem Kaiserschnitt endete. Ob dieser tatsächlich notwendig gewesen wäre, ist fraglich. Dies lies mich noch Jahre später ganz schön daran knabbern.

Umso entschlossener und selbstsicher ging ich in die zweite Schwangerschaft. Nichts sollte mehr dem Zufall überlassen bleiben. Die Gynäkologin und auch der Chefarzt einer großen Nürnberger Klinik verunsicherten mich, in meinem Vorhaben, so natürlich wie möglich nach einem Kaiserschnitt zu entbinden. Die Chancen stehen laut Statistik 50:50 hieß es immer wieder und ich wäre eine Risikogebärende, da immer die Möglichkeit besteht, dass die bestehende Narbe während der Geburt reißt. Horrorszenarien musste ich mir anhören. Doch einige liebe Hausgeburts- bzw. Geburtshaushebammen machten mir Mut es dennoch zu versuchen. Ich las sehr viele positive Berichte in dem Buch: „Meine Wunschgeburt“ und war überzeugt, dass es einfach klappen mussteGeburtsvorbereitend machte ich Akupunktur und Heublumensitzbäder, um die Muttermundseröffnung zu verkürzen, da es in der Klinik nach Zeit geht. 1 Std. pro cm, mehr Zeit wird einem in meinem Fall nicht gegeben. Leider! Ich wählte bewusst eine große Klinik, mit niedriger Sectiorate, Erfahrung mit „Risikogeburten“ und in der eine hebammengeleitete Geburt stattfinden kann und wünschte keine ärztliche Anwesenheit. In einem Vortrag von Mamaprotest  äußerte eine Hebamme aus einer großen Geburtsklinik, dass sie sich Frauen wünschen, die mitteilen, was sie sich wünschen und nicht ihren Verstand an der Kreisssaaltür abgeben. Ansonsten verfahren sie nach Schema F, wenn keine Wünsche geäußert werden. Also erhielt die Klinik zum vorbereitenden Gespräch einen ausführlichen Geburtsplan, in dem ich meine Wünsche darlegte. Mein Mann hatte ebenso den Plan im Gepäck und wusste genau, was wir wollen.

Angekommen im Kreisssaal kannten die Hebammen bereits meinen Geburtsplan. Im Kreisssaal herrschte eine gemütliche Atmosphäre. Es lief leise Musik im Hintergrund, dass Licht war gedimmt. Eine junge Hebamme war ständig präsent und sehr engagiert. Sie zeigte mir diverse Gebärpositionen und gab mir im richtigen Moment Globuli, welche das Köpfchen optimal ins Becken drehen ließen. Sie untersuchte nur wenige Male und nicht wie sonst üblich nach einem vorgegebenen Plan. Es wurden keinerlei Interventionen unternommen, ich erhielt keinerlei Schmerzmittel, welche ich auch ablehnte, es war kein Arzt anwesend. Ich bin immer noch total überwältigt, eine so wunderschöne selbstbestimmte Geburt in einer großen Geburtsklinik erlebt zu haben. 

Im Nachhinein bin ich froh, die erste Geburt so erlebt zur haben wie sie verlief. Ich hab mich sehr  mit der Thematik auseinander gesetzt, was ich sonst vielleicht nicht getan hätte. Dadurch wusste ich dann, was ich in der folgenden Geburt möchte oder auch nicht.

Ich habe beide Extreme erlebt und kann nur sagen, dass eine selbstbestimmte Geburt einen anderen Menschen aus einem macht für das ganze weitere Leben. ICH konnte selbst entscheiden und nichts wurde über meinen Kopf hinweg entschieden. Das macht unendlich glücklich.

Mit meinem Beitrag möchte ich JEDER Frau Mut machen, ihre Wünsche zu äußern. Es ist ein einmaliges Erlebnis, welches keinesfalls irgendeinem Schicksal überlassen werden sollte. Geburt ist eine Art Reise, wohin sie führt, weiß man nicht, aber man kann den Beginn bestimmen.

Stefanie Dentler