Working Moms – Zwischen Laptop und Lätzchen

Zwischen Laptop und Lätzchen – Der Alltagsspagat berufstätiger Mütter

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist seit Jahren ein häufig verwendetes Schlagwort in der Politik und heiß diskutiertes Thema. Den beruflichen Anforderungen, sowie der Familie gerecht zu werden, ist ein anspruchsvoller und kräftezehrender Spagat. Flexibilität, Kreativität und jede Menge Improvisationstalent sind dabei unabdingbar. Zwar steigt die Zahl berufstätiger Mütter jedes Jahr und immer mehr Frauen schultern Haushalt, Kindererziehung, Partnerschaft und Arbeit, dennoch wird das Streben von Müttern nach einer eigenen Karriere in der Gesellschaft häufig noch immer skeptisch gesehen. An dieser Stelle kommen die Working Moms ins Spiel. Der Verein möchte ambitionierten Frauen zeigen, dass sich Familienplanung und berufliche Weiterentwicklung nicht zwangsläufig ausschließen. Pro Kind, pro Karriere lautet das Motto. Die Working Moms stehen dafür, dass Frauen selbstverständlich beides haben können – Kinder und Karriere. Alle Verbandsmitglieder arbeiten mindestens 30 Stunden, nicht selten auch in leitenden Positionen. Regelmäßige Treffen dienen dem Austausch, der gegenseitigen Unterstützung und Ermutigung. Junge Frauen sollen ermutigt werden auch nach der Familiengründung ihren Karriereweg zu verfolgen und an ihrer Weiterbildung zu arbeiten.

Soweit die Theorie, doch wie sieht das Ganze in der Alltagspraxis aus?

Zwei Working Moms des Verbandes der Metropolregion Nürnberg erzählen, wie sie Kinder und Karriere täglich managen.
Dr. Isabelle Kürschner ist Dozentin, Buchautorin, Moderatorin und Expertin im Bereich neue Arbeitswelten – sie schildert aus der Sicht einer selbstständigen Working Mom.

Working Mom

Pro Karriere: Wie war dein beruflicher Werdegang und warum hast du dich für die Selbstständigkeit entschieden?

Meine Karriere hat zunächst ganz klassisch begonnen. Studium, Promotion, Berufseinstieg, erste Karriereschritte. Ich bin ein ziemlich zielstrebiger Mensch und hatte den nächsten Schritt – eine Entsendung ins Ausland – schon fest ins Auge gefasst. Mein direkter Vorgesetzter hat das genauso gesehen und mir geraten, meine Absichten klar zu kommunizieren. Das habe ich auch gemacht und als Antwort bekommen: „Frau Dr. Kürschner, wir schätzen Ihre Arbeit sehr und ganz bestimmt sind Sie für diese Rolle überaus qualifiziert. Aber Sie sind eine Frau Anfang 30 – da können wir Ihnen diese Stelle nicht geben. Wir wissen ja gar nicht, wie es mit Ihrer Familienplanung aussieht.“ Bam! Das hat gesessen und obwohl es nicht erlaubt ist und mir im Nachhinein tausend Antworten eingefallen sind – für mich war es vorbei. Ich habe nur noch einen richtigen Schritt gesehen. Nie wieder sollte ein anderer Mensch darüber urteilen und entscheiden, was ich kann und was nicht. Ich habe nicht Hals über Kopf gekündigt. Nein, ich habe mir Zeit gelassen, mich in Ruhe umgesehen und meine Optionen abgewogen. Schließlich hat sich mir eine Chance geboten und die habe ich ergriffen: den Schritt in die Selbständigkeit.

Das war vor neun Jahren. Meine Kollegen haben mich damals alle für verrückt erklärt. Einen sicheren Job aufgeben, mit Anfang 30. Auf Mutterschutz, Elternzeit und Elterngeld verzichten, wenn es mal soweit sein sollte… Aber nach diesen Maßstäben konnte und wollte ich mein Leben nicht leben.

Pro Kind: Wie viele Kinder hast du und in welchem Alter sind sie?

Ich habe zwei Kinder, zwei und sechs Jahre alt.

Welche Tipps hast du für junge Mütter, um die Balance zwischen Kind und Karriere zu meistern? Was ist für dich die größte persönliche Herausforderung bei diesem Balance-Akt? Wie hast du es geschafft und was hast du daraus mitgenommen?

Im Rückblick sehe ich es als Glück an, dass ich mir mein Business aufbauen konnte, ohne auf eine Familie Rücksicht nehmen zu müssen. So konnte ich am Anfang quasi rund um die Uhr arbeiten. Das hat mir unheimlich viel Spaß gemacht und der Erfolg hat sich entsprechend schnell eingestellt. Zwei Jahre später kam dann unser erstes Kind auf die Welt. Für mich war es unglaublich befreiend, dass ich die Bedingungen selbst gestalten konnte, dass mich keine Gesetze und kein Arbeitgeber zu irgendetwas zwingen konnten.

Es war mir unheimlich wichtig, dass ich auch mit Kind nach meinen Bedingungen weiterarbeiten konnte. So habe ich insgesamt nur zwei Wochen pausiert und dann schon wieder die erste Veranstaltung moderiert. Mein Partner ist mit dem Baby im Kinderwagen um das Firmengelände gefahren, Runde um Runde. Hat den Kleinen im Kofferraum gewickelt. Ich habe drinnen moderiert. Wir lachen uns heute noch kaputt darüber. Wir haben uns von Anfang an beide um die Familie und den Job gekümmert. Haben unsere Kalender abgestimmt, entschieden, wer welche Termine wahrnehmen muss und wer wann zuhause sein kann. Es war unsere Entscheidung und sie fühlt sich nach wie vor richtig an. Mit einem Kind hat das auch wirklich gut geklappt.

Dann kam Nummer zwei. Das war doch nochmal etwas anderes. Denn während sich ein Kind ganz gut in unser Leben integrieren ließ, ist das mit zweien schon um einiges schwieriger. Noch dazu, wenn der Altersunterschied 4 ½ Jahre beträgt und beide Kinder recht unterschiedliche Bedürfnisse haben. Wir haben zwar an unserem Modell nichts Grundsätzliches geändert, aber es kostet einfach mehr Kraft und Organisation, beiden Kindern gerecht zu werden. Ich merke, dass die Arbeit für mich öfters in den Hintergrund tritt. Dass ich mehr abwäge, was ich tun will. Ich schaue genauer hin. Stand früher der Spaß an der Arbeit, ein spannender Kunde oder ein aufregender Auftrag im Vordergrund, ist es heute ganz klar eine wirtschaftliche Abwägung: Stehen Aufwand und Ertrag in einem guten Verhältnis? Wie setze ich meine Zeit am sinnvollsten ein? In welches Netzwerk und welche Beziehung investiere ich?

Warum bist du Mitglied und was ist für dich das Besondere an den Working Moms?

Was mir auf meinem Weg immer gefehlt hat, war der Austausch mit Gleichgesinnten. Fast alle Frauen, die ich beruflich oder privat kenne, haben einen anderen Weg gewählt. Gerade als ich beim ersten Kind gleich wieder durchstarten wollte, habe ich nur Zweifel zu hören bekommen. „Warte erstmal ab.“ „Du weißt doch gar nicht, wie das ist mit Kind.“ „Bestimmt änderst Du Deine Meinung, wenn Du das Kleine erstmal in den Armen hältst.“ Nur eine einzige Frau, eine Französin, hat mir damals Mut zugesprochen. Sie meinte, sie könne dieses Gerede der deutschen Frauen nicht verstehen. „Glauben die,“ so sagte sie, „Französinnen haben keine Gefühle? Wir wissen trotzdem, was wir wollen.“ Das hat mir unglaublich gutgetan. Aber es war die absolute Ausnahme.

Bei den Working Moms fühle ich mich zum ersten Mal wirklich unter Gleichgesinnten. Damit will ich nicht sagen, dass wir alle den gleichen Lebensentwurf haben. Wir leben natürlich auch völlig unterschiedliche Familien- und Arbeitsmodelle. Aber wir alle haben eines gemeinsam: Wir wollen beides. Ein erfülltes Familien- und ein erfülltes Berufsleben. Darüber tauschen wir uns aus. Mal geht es um die Frage „auf die neue Rolle bewerben oder nicht?“, mal um die Frage „Waldkindergarten oder normaler Kindergarten?“ oder auch „wie teilt Ihr die Elternzeit mit Eurem Partner auf?“ Es ist die Vielfalt und gleichzeitig das Gemeinsame, was diesen Austausch für mich so wertvoll macht.

Lisa-Maria Stadi ist Pressereferentin, Contentmanagerin und Projektkoordinatorin und arbeitet bei einem führenden deutschen Spielwarenunternehmen in den Digitalen Medien – sie schildert aus der Sicht einer Working Mom im Angestelltenverhältnis.

Working Moms

Pro Karriere: Wie war dein Werdegang und was ist dein beruflicher Schwerpunkt?

Nach Abitur, Studium und Auslandsjahr habe ich ein Volontariat bei einer Film-PR-Agentur in München begonnen und arbeitete dort anschließend als PR-Managerin. Als Filmenthusiastin war das mein Traumberuf. 2010 hat es mich dann aber nach Nürnberg verschlagen und nach einem Jahr beim Filmfestival Türkei / Deutschland kam ich in die Pressestelle von PLAYMOBIL. Dort war ich als Pressesprecherin für den PLAYMOBIL-FunPark, für PR-Kooperationen und Produktionsbesichtigungen zuständig. Die Aufgaben waren sehr abwechslungsreich und vielseitig und das hat viel Spaß gemacht.

2014 kam dann unser Sohn zur Welt und nach sechs Monaten Elternzeit wechselte ich in die Abteilung der Digitalen Medien. Anfangs war das für mich eine sehr große Herausforderung, da ich mich nicht nur in einen neuen Arbeitsbereich, sondern in eine eigene Welt – die digitale Welt – mit ihren schnelllebigen Regeln, eingewöhnen musste. Im Rückblick hat sich dieser Wechsel aber als Glücksfall herausgestellt, denn ich habe viel gelernt und konnte vor allem in den Bereichen Contentmanagement, Media- und Newsletterplanung Wissen aufbauen und Erfahrungen sammeln.

Pro Kind: Wie viele Kinder hast du und in welchem Alter sind sie?

Ich habe zwei Kinder, einen Jungen fünf Jahre alt und ein Mädchen drei Jahre alt.

Welche Tipps hast du für junge Mütter, um die Balance zwischen Kind und Karriere zu meistern?

Wichtig ist, einen Beruf zu haben der Spaß macht und die Freude an der Arbeit, trotz Stress und Belastung, nicht zu verlieren. Die Frage sollte nicht entweder oder sein, sondern wie kann ich beides verbinden. Ein Verzicht auf den Beruf scheint nur anfangs leichter, wenn die Umstellung und die Herausforderungen mit Kind noch sehr groß sind. Später kommt, denke ich, bei vielen Frauen der Wunsch auf wieder zu arbeiten. Häufig ist der Wiedereinstieg dann aber schwierig, vor allem da vorher Erreichtes oft nicht mehr zählt.

Bei mir war von vorneherein klar, dass ich nach sechs Monaten wieder einsteigen würde und ich habe es nie bereut. Mein Beruf macht mir nach wie vor Freude und schafft auch einen Gegenpol zur Familie. Die Zeit mit meinen Kindern versuche ich immer gezielt zu nutzen und für uns alle erlebnisreich zu gestalten.

Was ist für dich die größte persönliche Herausforderung bei diesem Balance-Akt? Wie hast du es geschafft und was hast du daraus mitgenommen?

Die größte Herausforderung für mich war der ständige Druck und das Gefühl keiner Seite wirklich gerecht zu werden. Ich musste erst lernen, nicht zu streng zu mir zu sein und dass Projekte in der Arbeit manchmal nicht so schnell abgeschlossen werden konnten wie früher. Durch die Abholzeiten sind auch die Arbeitszeiten jetzt klar geregelt, Überstunden sind schwer möglich. Ich habe mir angewöhnt klar zu kommunizieren was geht und was nicht und wann ich meine Projekte und Aufgaben angehe bzw. erledigen werde. Diese Vorgehensweise hilft auch meinen Kollegen bei der Planung und schafft Freiraum. Mein Mann unterstütz mich auch sehr bei den vielen großen und kleinen Aufgaben der Kindererziehung und stand von Anfang an immer hinter meiner Berufstätigkeit. Ohne seine aktive Mithilfe wäre alles sicherlich viel schwieriger.

Warum bist du Mitglied und was ist für dich das Besondere an den Working Moms?

Auf die Working Moms bin ich durch eine Mutter in meinem Rückbildungskurs aufmerksam geworden. Von Anfang an war der Austausch mit anderen berufstätigen Müttern eine echte Bereicherung für mich. Ich komme jedes Mal nach unseren Treffen ganz motiviert nach Hause. Vor allem ist es interessant, wie viele unterschiedliche Themen immer zur Sprache kommen, es geht von Alltagstipps und Kindererziehung über Bücher und Finanztipps, bis hin zu Freizeitaktivitäten mit Kindern, die Bandbreite ist unerschöpflich und wir haben in Zukunft noch viel vor.

Über Interessentinnen freuen wir uns!
Meldet Euch gerne bei Alexandra Bekavac unter alexandra.bekavac@gmail.com,
oder über die Webseite der Working Moms: www.workingmoms.de